2.2. Igel

2.2.1. Steckbrief:
Systematische Einordnung: Igel gehören zur Familie Erinaceidae.
Man unterteilt sie in zwei Gruppen
1. echte Igel (Erinaceinae)
2. Haarigel (Echinosoricinae)
Unser "Gartenigel" gehört zu den echten Igeln und heißt: 
Erinaceus europaeus
Aussehen: Igel haben spitze Schnauzen und kleine schwarze, runde Augen und verhältnismäßig kurze Beine. Ihre Körperfarbe reicht von schwarz bis hellbraun. Größe: Ein durchschnittlicher Igel wird 30 cm lang.
Gewicht: Sein Normalgewicht beträgt ca. 500 Gramm. Im Herbst wiegt ein Igel fast doppelt so viel. (Winterspeck)
Alter: Ein Igel kann bis zu 11 Jahren alt werden.
Nahrung: Der Igel gehört zu den Insektenfressern. Seine Lieblingsnahrung sind Regenwürmer. Er verzehrt auch Mäuse, Schlangen, Käfer, kleine Frösche, Spinnen, Schnecken und Obst. Auch die Eier der Bodennester einiger Vogelarten werden vom Igel gefressen. Manchmal gelingt es ihm, sogar einige Jungvögel zu ergattern.
Bei der Aufzucht eines Jungigels muß ein genauer Speiseplan eingehalten werden (dazu siehe auch: Punkt 2.2.4.)
Vermehrung: Sind die Igel ein Jahr alt , so sind sie geschlechtsreif. Es finden 1-2 Würfe pro Jahr statt, bei denen 2-8 Igelkinder blind und weichstachelig geboren werden. Ihre Säugezeit beträgt 18- 20 Tage.
2.2.2. Lebensraum und Lebensweise _______________________


Die vom Igel meist bewohnten Zonen der Erde sind Europa und Asien bis hin zum Pazifik. Alle Igel leben gern in Menschennähe. Sie bevorzugen Parklandschaften und Gärten. Jedoch auch am Rande eines Wäldchens fühlen sie sich wohl.
Igel sind dämmerungs- und nachtaktive Säugetiere. Sie halten sich meist in Hecken und Strauchwerk auf, da sie dort ausreichend Unterschlupf finden. Igel klettern geschickt und können recht schnell laufen. Sie sind auch gute Schwimmer, wenn es die Situation erfordert. Ihre natürlichen Feinde sind: Uhu, Marder und Fuchs. Ihr jüngster Feind ist der Straßenverkehr.

 
Im Herbst, wenn die mittlere Temperatur unter 10 ° Celsius sinkt, ziehen sich die Igel zu einem ausgedehnten Winterschlaf zurück. Dieser dauert meist von Oktober bis April. In Höhlen, Erdlöchern, Laub-/ Komposthaufen und Strohmieten suchen sie sich einen frostfreien Schlafplatz. Zur Kugel zusammengerollt - den Eingang des Nestes mit Gras und Laub verstopft- verbringen sie ihre Zeit bis zum nächsten Frühjahr. Während der Wintermonate sind Atmung, Zahl der Herzschläge und ihre Körpertemperatur stark herabgesetzt. Sie leben jetzt auf Sparflamme und zehren von ihrerm angefutterten Winterspeck.
Igel sind Einzelgänger; sie dulden jedoch Artgenossen in ihren Revieren. In der Paarungszeit kann es vorkommen, daß ein Igelmännchen seiner "Igeldame" kilometerweit folgt. Manchmal umkreisen sich Igelmännchen und Igelweibchen stundenlang. Die Paarung, bei der sie laut und heftig schnauben, findet nachts statt. Kurze Zeit danach gehen beide Igel wieder getrennte Wege.

Zweimal jährlich - im Sommer und im Herbst - werden ca. 2-8 Igelkinder geboren. In den ersten Wochen sind sie noch blind und können sich nur zur Mutter hintasten. Sie sind nicht größer als ein Streichholz und ihre Stacheln sind noch weich wie Gummi. Nach 3-4 Wochen können die kleinen Igel sehen und ihre Stacheln "pieksen" schon. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Jungigel von der Mutter gesäugt. Ab der fünften Woche zeigt sie den Igelkindern, wie man auf Nahrungssuche geht.
2.2.3. Besonderheiten der Igel

2.2.3.1. Kugelschutz
Wußtet Ihr, daß das Stachelkleid eines ausgewachsenen Igels bis zu 16000 spitze Dolche/ Nadeln enthält. Die Igelstacheln sind umgewandelte Haare und befinden sich auf der Rückenseite der Igel. Auf der Bauchseite besitzt der Igel weiche Haare. Dieses Stachelkleid hat der Igel zum Schutz vor plötzlichen Gefahren. Blitzschnell kann er sich mit Hilfe eines speziellen Muskelringes zur Kugel zusammenrollen. Fast ist seine Ver-
teidigung perfekt. Nur sehr junge, unerfahrene Igel werden von Feinden erbeutet. Ihre aufgestellten Stacheln schützen sie jedoch nicht vor der tödlichen Gefahr des Straßenverkehrs. Jährlich schätzt man, daß bis zu
1 Million Igel auf unseren Straßen totgefahren werden.
2.2.3.2. Obstsammler?
Früher wurde fälschlicherweise häufig behauptet, daß Igel absichtlich Fallobst aufspießen und als Vorrat in ihre Nester transportieren würden. Sieht man gelegentlich einen Igel mit einen aufgespießtem Apfel auf seinem Stachelrücken, so ist dies rein zufällig passiert.
2.2.4. Erste Hilfe für Igel__________________________
2.2.4.1. Allgemeines
Auf Gifteinsatz (besonders gegen Insekten) in Garten und
Parks ist grundsätzlich zu verzichten. Komposthaufen nur dann auflösen, wenn man sicher ist, daß sich kein Igel darin befindet. Vogelschutznetze für Gemüsebeete können eine schlimme Falle für den Igel darstellen. Sie müssen täglich kontrolliert werden. Bei längerer Trockenperiode sollte man ein Schälchen mit Wasser aufstellen. Der Igel trinkt auch von einer Vogeltränke oder vom Gartenteich, wenn diese flache Ufer haben.

2.2.4.2. Der Igel als Wintergast
Schlechte Bedingungen für eine erfolgreiche Überwinterung existieren für die "Igelbabies", die im Herbst geboren werden. Sie haben meist nicht genügend Zeit, sich einen ausreichenden Wintervorrat anzufuttern. Sie wiegen oft nur ca. 100 Gramm und haben so kaum eine Chance, den Winterschlaf, zu überleben.

Wollt Ihr diese Igel erfolgreich überwintern, bedeutet dies, daß Ihr eine große Verantwortung übernehmt, eine Aufgabe, die mit viel Arbeit, Zeit und Geld verbunden ist, wenn Ihr sie Ernst nehmt: Nur Igel, die weniger als 500 Gramm wiegen oder mutterlose kranke Tiere dürfen ins Haus geholt werden.
!!!!!! Achtung! Igelmütter lassen ihre Igeljungen oft mehrere Stunden allein. Deshalb immer ausreichend lange beobachten.
Wichtig: Das Stachelkleid des Igels muß gründlich vom Ungeziefer befreit werden. Die Entfernung ist ziemlich aufwendig und man sollte sich gründlichst darüber informieren. Auf jeden Fall den Igel zunächst mit einem medizinischen Puder für Kleintiere vom Ungeziefer befreien. Anschließend baden, trocknen lassen und dabei warm halten.

Tierartzt oder/und falls möglich Igelstation aufsuchen. Sehr wichtig ist eine Igelspritze gegen Lungenwürmer. Auch der Kot des Igels sollte untersucht werden.
!!!
Die Unterbringung: bei 17 - 20 ° Celsius in einer Kiste mit Heu. Der tägliche Auslauf sollte mind. 1 mē betragen und täglich mit frischem Zeitungspapier ausgelegt werden. Der Speiseplan sollte abwechslungsreich sein:

Hackfleisch, Hühnerfleisch, Innereien (in Stücken gekocht)
Katzen-/ Hundefutter
rohe oder gekochte Eier
gekochter Fisch
Trockenfutter
tägl. 1 Messerspitze Futterkalk und Vitaminflocken
Obst: geriebene Äpfel, zerdrückte Banane...

Magerquark

tägl. frisches Wasser (oder sehr stark verdünnte Milch. Unverdünnte Kuhmilch führt häufig zu tödlichem Durchfall!
!!!!!! Keine Speisereste oder Süßigkeiten! Auch wenn Igel dies gerne mögen, führen diese Nahrungsmittel zu schweren Magen und Darmkrankheiten.

Wir wünschen Euch und dem
Wintergast viel Erfolg!!!!!!!!!